Chateau Grillet: Viognier-Wein aus Frankreich sollte man kaufen
Jun08

Chateau Grillet: Viognier-Wein aus Frankreich sollte man kaufen

Wenige Kilometer südlich von Lyon wird die bzw. der Rhone vom Massiv du Pilat eingehegt, das für einige Streckenkilometer zu beeindruckenden Weinbergen in Steillagen und Terassen führt. Man darf bei der Vorbeifahrt den Blick nur ganz kurz heben, sonst ist man schon vorbei am Chateau-Grillet, der kleinsten Appellation Frankreichs, die 3,6 ha groß ist, soviel wie etwa fünf Fußballfelder. An eine von den rund 10000 Flaschen Viognier-Wein war schwierig heranzukommen. Nach einem Eigentümerwechsel, mit – wie Hugh Johnson weiß – noch höheren Preisen, dürften sich die Chancen einen Chateau-Grillet zu erwerben, für einen Weinfreund mit normalem Einkommen, gegen Null bewegen. Chateau Grillet, Condrieu und seine Verwandten Zum Glück gibt es für die Befriedigung der Neugier auf einen Viognier von Format, das kleine Dörfchen Condrieu, mit eigener Appellation. Vom gleichen Hang stammend, mit gleichem Boden, unter den gleichen klimatischen Verhältnissen reifend, müsste der Condrieu mit seinem überteuerten Verwandten Chateau-Grillet zumindest eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen. Ganz billig ist der Condrieu allerdings auch nicht. Zwischen 30 und 130 € müssen schon angelegt werden. Hugh Johnson über den Condrieu Dafür bekommt man allerdings einen blumigen Weißwein, „mit kraftvollem Spiel mineralischer bis moschusartiger Aromen von Aprikose und Pfirsich“, wie Hugh Johnson schreibt. Johnson meint, dass diese Viogniers „wie kaum ein anderer Weißer zu Spargel und Räucherlachs“ passen. Jedoch mundeten Fischgerichte und bestimmte Käsesorten mit dem Condrieu ausgezeichnet. Den Kellner sollte man um Überraschungen zu vermeiden, vor der Bestellung unbedingt fragen – sofern er das Thema nicht von selbst anspricht – ob es sich um einen trockenen oder halbtrockenen Wein handelt. Es empfiehlt sich, zunächst nach den trockenen Viogniers zu greifen, denn eine zu kräftigen Säure braucht man an der Rhone in der Regel nicht zu befürchten, der Eigengeschmack der Speisen wird durch einen trockenen Wein allerdings stärker hervorgehoben. Der Viognier geht um die Welt… Wie beim Cabernet Sauvignon und Merlot finden erfolgreiche Weine rasch ihre Nachahmer, die vielleicht weniger die Rebsorte schätzen, als den wirtschaftlichen Erfolg. So wird der Viognier inzwischen praktisch rund um die Welt angebaut. Ein kalifornischer Winzer wirbt etwa mit seinen knorrigen Rebstöcken (Gnearly Head, Delicato) die Jahrzehnte alt sind. In diesem Sonnenland stehen gut 1200 ha unter Viognier-Reben, und fast ist es einfacher – und zumeist preiswerter – einen Viognier aus Frankreich zu erwerben. Bei der Vielzahl von US-Winzern, die sich auf das Vorbild „Chateau-Grillet“ berufen, wird verständlich, dass dies einzig und allein mit der Absicht verfolgt wird, einen höheren Preis zu erzielen. Die Berühmtheit und Hochpreisigkeit von Chateau-Grillet – und inzwischen auch des Condrieu – war auch der Anlass für Weinbauversuche in Südfrankreich, sowohl an der südlichen Rhone als auch im Midi. In der Mitte der 80-er Jahre, brach...

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Sektsteuer: mit Champagner die Staatskasse aufbessern?
Jun01

Sektsteuer: mit Champagner die Staatskasse aufbessern?

Schon immer wollte der Staat gern den Bürger dazu verdammen, etwas mehr für die Staatskasse zu tun – das war zu Zeiten Kaiser Wilhelms II. nicht anders. Seine damalige Sektsteuer war in etwa mit dem heute bekannten Solizuschlag vergleichbar – und als der Zweck, weshalb die Sektsteuer eingeführt wurde, wegfiel, wurde die Steuer dennoch weitergeführt. Auch das ist wohl mit dem Soli von heute zu vergleichen. Ein geschichtlicher Exkurs Da wir auf unseren Seiten Fachwissen rund um die edelsten Weine, um Rebsorten, Anbaugebiete und weitere Themen anbieten, möchten wir an dieser Stelle auf die Sektsteuer eingehen, von der sicherlich auch der eine oder andere bereits etwas gehört hat. Es war einmal im Jahre 1902, als die Kriegsflotte von Kaiser Wilhelm II. ausgebaut werden sollte. Leider waren die Staatskassen leer – doch der gemeine Bürger sollte doch noch etwas abgeben können?! Hier kam die Idee der Sektsteuer auf, wobei diese anfangs noch als Schaumweinsteuer bekannt war. Denn wenn die Ausgaben für die Wehrkraft gesteigert werden sollten, sollte auch der Schaumwein herangezogen werden, wie es damals hieß. Somit wurde die Steuer auf 50 Pfennige festgesetzt. Die Flotte wurde ausgebaut – doch wirklich Bestand hatte nur die Sektsteuer. Diese gab es nämlich noch lange nach dem Ersten Weltkrieg und nach Kaiser Wilhelm II. Die Steuer wurde erst 1933 abgeschafft, als die Wirtschaftskrise so überwunden werden sollte. Sektsteuer ade? Doch die Sektsteuer gehörte nicht lange der Vergangenheit an, denn sie wurde im Jahre 1939 wieder eingeführt. Und wieder sollte mit ihrer Unterstützung die Kriegsflotte ausgebaut werden! Pro Flasche wurde nun eine Reichsmark fällig und 1949 übernahm der Bund die Einnahmen sowie die Verantwortung, die aus der Sektsteuer resultierten. Je nachdem, wie gut oder nicht gut es dem Staat ging, wurde die Höhe der Sektsteuer angepasst. Waren es anfangs die bereits genannten 50 Pfennige, waren diese einige Jahre später längst nicht mehr ausreichend und wurden teilweise bis auf drei Mark angehoben. Dabei war die Höhe der Steuer abhängig davon, wie teuer die betreffende Flasche des edlen Tropfens war. Die drei Mark pro Flasche waren dann ab 1918 generell üblich, danach brachte die Inflation teilweise utopische Höhe der Steuer mit sich. Ab 1926 wurde eine Reichsmark erhoben. Dank Sektsteuer keine Konjunktur Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren die Menschen recht ärgerlich über die hohe Sektsteuer, die gern einmal als Kriegssteuer bezeichnet wurde. Drei Mark waren viel Geld und die Menschen nahmen daher besser Abstand von edlen Weinen. Die Sektindustrie klagte schon bald über Umsatzeinbußen und stellte die Sektsteuer offen infrage. 1949 ging Christian Adalbert Kupferberg aus Mainz (Sektkellerei Kupferberg) mit gutem Beispiel voran und forderte eine Senkung von drei auf eine Mark. Dies stieß...

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